Presse
 



Pressemeldungen 2009
Mitteldeutsche Zeitung, 11. Mai 2009

Ein junger König lernt fliegen

Flugsportverein entwickelt gemeinsam mit Partnern ein Projekt, wie man Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen helfen kann

VON RALF BÖHME

OPPIN/MZ. Er hat die Welt von oben gesehen. Er war dort, wo nur der Wind zu hören ist. Und er hatte so ein Kribbeln im Bauch, dass man kaum beschreiben kann. Hani Michael Debasai freut sich wie ein junger König. Der 18-Jährige ist geflogen, an der Seite eines erfahrenen Piloten in Oppin. Mit ihm haben am Samstag 15 Jugendliche, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, einen Tag beim Flugsportverein erlebt.

Eine Motorwinde zog das Segelflugzeug mit Tempo 100 am Seil in den Himmel. In einer Höhe von 450 Metern wurde das Seil ausgehakt. Die Maschine schwebte lautlos eine Runde über den Flugplatz. "Es gab nur den Wind, alles war ganz still da oben", erinnerte sich der junge Mann nach der Landung. Vereinschef Peter Mierig lobt das Verständnis und auch das Geschick des Flugschülers, der in keinem Moment die Orientierung verloren habe. In der Ferne erkannte der "Co-Pilot" die Türme von Halle. Erst vor fünf Jahren verschlug es Hani Michael und seine Familie dorthin. Hinter ihm lag damals ein langer Weg, der in seiner alten Heimat Eritrea - einer Krisenregion am Horn von Afrika - begann.

In Halle fand der Junge, wie er selbst sagte, seine neue Heimat. Dass ihm dass Deutsche, die Sprache und Lebensweise nicht fremd geblieben sind, dafür dankt der Neu-Hallenser solchen Helfern wie Jane Wiede vom Jugend- und Familienzentrum Sankt Georgen.

Die Sozialarbeiterin leitet das Projekt "Erste Schwelle", das die Integration bis ins Berufsleben unterstützt. Hani Michael versteht das nicht nur als Chance, die ihm die Vernunft gebietet. "Das macht mir wirklich auch alles viel Spaß", meint der talentierte Fußballspieler. Bürgercafé, Computer-Station oder Jugendtreff - an Abwechslung herrscht im Mehrgenerationenhaus in der Zwingerstraße kein Mangel, überall kann er helfen. Mit seinem erfolgreichen Praktikum hat er sich für eine Ausbildung in der Altenpflege empfohlen. Im August geht es los damit, voraussichtlich in der Senioren-Residenz Steintor-Palais.

Jährlich unterstützt das Sankt-Georgen-Jugendzentrum rund 100 junge Leute im Alter von 14 bis 25 Jahren, die eine berufliche und persönliche Orientierung suchen. Berufsfindung und Lehrstellensuche sind eine Seite dieses Angebotes. Auch Schuldenprobleme oder Wohnungssuchen sind ein Thema. Jane Wiede: "Hauptaufgabe jedoch ist die Motivation von Jugendlichen, die bereits viele Fehlschläge einstecken mussten."

Zuvor steht ihm noch ein anderer Weg offen. Der Flugsportverein will ihn zu einer Segelflug-Lizenz verhelfen. Eine verschworene Gemeinschaft, der Verein zählt 51 Männer und sieben Frauen, steht ihm dabei zur Seite. Fluglehrer Torsten Wilker zum Beispiel kann schon auf 4 000 Starts und Landungen verweisen. Geschenkt gibt es nichts, denn die Ausbildung verlangt den ganzen Kerl. Doch die Kosten muss nicht Hani Michael tragen. Dafür kommt der Verein auf, der sich auf einen Sponsor stützen kann. Das ist die Energiegemeinschaft Halle - die Kommunikationsplattform des regionalen Handwerks für Strom, Gas und Fernwärme sowie die Energieversorgung Halle.


Letzte Einweisung vor dem Start. Hani Michael ist bereits angeschnallt, an seiner Seite Sozialarbeiterin Jane Wiede. (FOTO: LUTZ WINKLER)



Mitteldeutsche Zeitung, 28. März 2009

Aktionstag mit Chance zum Neustart

Bündnis: Jugendliche erhalten nach Fehlschlägen ein ungewöhnliches Angebot

VON RALF BÖHME

OPPIN/MZ. Unter dem Motto "Ist doch Ehrensache" will der Flugsportverein in Oppin mindestens 15 Jugendliche aus Halle und Umgebung hoch hinausbringen. Partner dieses Aktionstages am 9. Mai, der bundesweit auf Initiative der ARD stattfindet, ist das hallesche Jugendzentrum Sankt Georgen. Es hilft jungen Leuten, die viele Fehlschläge haben einstecken müssen.

Die Idee, die möglicherweise als Impuls für einen Neuanfang wirkt, ist einfach: Wen sonst Ärger mit der Schule, in der Familie, mit Behörden oder Banken drücken, der soll die Welt und ihre Probleme einmal von oben sehen. Drei Segelflugzeuge und Motorschlepper sollen dazu gleichzeitig ihre Runden über dem Saalekreis drehen, so der Ablaufplan. Darin ist aber auch festgeschrieben, dass die Segelflieger auf Zeit auch eine entsprechende flugtechnische Einweisung erhalten, den Start- und Landeplatz abstecken und helfen, die Fluggeräte in Position zu bringen.

Für solche anspruchsvollen Projekte der Jugendarbeit ist der Flugsportverein seit vielen Jahren die richtige Adresse. Alle 58 Mitglieder, darunter auch acht Frauen, verfügen über Flugerfahrung. Das Durchschnittsalter liegt bei 37 Jahren. Mit etwas Glück schafft man es, in einer Saison 100 Stunden und mehr in der Luft zu sein. Die Ausbildung des fliegerischen Nachwuchses ist ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit.

Steffen Busch vom Jugendzentrum Sankt Georgen freut sich über das Angebot, auf diese Weise mal durchstarten zu können. "Da ist wirklich mehr als ein Tapetenwechsel und auch eine Neuheit in der Sozialarbeit." Gespannt sind seine Schützlinge vor allem darauf, wie man so ein Flugzeug zum Abheben bringt. Mit einer Motorwinde erreicht der Segelflieger ein Tempo von 90 Kilometer pro Stunde und klinkt dann in einer Höhe von etwa 450 Metern aus. Neben der Mitfluggelegenheit dürften auch die Gespräche am Rande der Piste von Interesse sein. Rede und Antwort steht dann vermutlich auch das gegenwärtig jüngste Vereinsmitglied, der 17-jährige Segelflug-Lehrling Johannes Milkow.

Mindestens ein Jugendlicher, so die Offerte des Flugsportvereins, soll dann - Interesse vorausgesetzt - die Ausbildung bis zur Fluglizenz durchlaufen können. Und das kostenlos. Die Aufwendungen übernimmt die Energiegemeinschaft Halle. Dieser Zusammenschluss vereint mittelständische Betriebe aus dem Spektrum Strom, Erdgas und Fernwärme. Geschäftsführer Ingo Englich; "Wir sehen darin eine etwas andere Art, junge Leute für eine Lehre fit zu machen." Auch deshalb wollen Vertreter aus Mitgliedsfirmen an dem Aktionstag teilnehmen, um mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.


Gemeinsam wird in Oppin ein Projekt angeschoben - Jugendliche erhalten über das Segelfliegen neue Perspektiven. (FOTO: LUTZ WINKLER)



Berechnung der Seite in 0 s